
Vom Tiefpunkt zum Abenteuer: Li Dongju radelt um die Welt
2025-03-19
Autor: Alina
Li Dongju (66), eine inspirierende Abenteurerin aus der chinesischen Provinz Henan, begann ihre Reise auf zwei Rädern nach einer schweren Scheidung. Diese Entscheidung war der Wendepunkt ihres Lebens.
Der Startschuss für ihre außergewöhnlichen Velotouren fiel 2014. Seitdem hat sie zahlreiche Länder bereist, darunter beliebte Reiseziele in Südostasien und Europa. Die Finanzierung ihrer Reisen stemmte sie durch diverse Gelegenheitsjobs. Ihr Engagement hat ihr nicht nur Unabhängigkeit geschenkt, sondern auch ihr Selbstvertrauen gestärkt.
"Reisen ist wie eine Droge, die man nicht mehr loslässt", sagt Li, die sich vorgenommen hat, mindestens 100 Länder zu bereisen.
Vor ihrer ersten Reise war Li nie zuvor ins Ausland gereist. Die Idee des Radfahrens entstand 2013, als sie eine Gruppe von Radfahrern sah, die vor ihr vorbeizogen. Die Freude und Energie, die diese Gruppe ausstrahlte, weckte in ihr den Wunsch, etwas Neues zu wagen. Trotz ihrer schweren Depression, die sie nach der Scheidung überkam, kaufte Li sich einen Helm und träumte von ihrer eigenen Reise.
Mit Unterstützung ihres Sohnes, der ihr ein faltbares Fahrrad schenkte, startete Li schließlich ihre internationale Radreise. Doch bis es soweit war, arbeitete sie als Haushaltshilfe und sparte ihr Geld, um sich die Ausrüstung leisten zu können. Der Beginn ihres Abenteuers ließ jedoch weiter auf sich warten, als sie sich einer Gruppe erfahrener Radfahrer anschloss. Nach nur zwei Wochen trennten sich ihre Wege, und sie kehrte nach China zurück, um ihr eigenes Abenteuer alleine fortzusetzen.
2015 radelte Li durch 20 chinesische Städte, von der tropischen Insel Hainan bis zu den abgelegenen Regionen Xinjiangs. Ihr treuer Begleiter, ein brauner Pudel namens Xili, war stets an ihrer Seite. Während dieser Reise arbeitete sie als Tellerwäscherin in einem Luxushotel, um ihre Reisekasse zu füllen. Tragischerweise verstarb Xili im Alter von 11 Jahren im Jahr 2023.
Nach ihrem erfolgreichen Abenteuer in China, war Li mit 59 Jahren bereit für eine neue Tour nach Südostasien. Diesmal war sie besser vorbereitet – mit einem Smartphone, Reiseführern, Karten-Apps und zwei älteren Radfreunden, die sie online kennengelernt hatte. Nachdem ihre Begleiter entschieden hatten, nach drei Wochen nach Hause zurückzukehren, radelte Li alleine weiter durch Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar und verbrachte etwa 70 Tage auf dieser Reise. Sie kam mit unzähligen Eindrücken und Fotografie zurück, sowie dem Mut, noch weiter zu reisen.
Im Jahr 2019 wagte Li schließlich den Sprung nach Europa. Ihre 66-tägige Fahrradtour führte sie durch sechs europäische Länder. Auf ihrer Reise traf sie viele interessante Menschen: einen 80-jährigen Solo-Wanderer in Kroatien, Barkeeper in Bosnien, mit denen sie über Google Translate kommunizierte und sie verfolgte ältere Damen in Frankreich, um günstig Baguettes zu ergattern.
Li ist überzeugt, dass ihre Reisen den entscheidenden Einfluss auf ihre Heilung von Depressionen hatten. "Vor dem Radfahren war ich wie ein Frosch in einem Brunnen. Jetzt fühle ich mich wie ein wilder Wolf: frei, furchtlos und unabhängig", sagte sie.
Die Corona-Pandemie unterbrach ihre Reisen, doch Li gibt nicht auf. Sie plant bereits ihre nächste große Tour von Kasachstan bis in die Vereinigten Arabischen Emirate. "Mein Ziel ist es, mindestens 100 Länder zu bereisen. Reisen ist wie eine Droge. Einmal probiert, kann man nicht mehr aufhören", erklärt Li gegenüber CNN. Ihre Begeisterung an neuen Kulturen und Abenteuern bleibt ungebrochen und inspirierend für viele, die ähnliche Träume hegen.