Wissenschaft

Corona-Laborthese: Welche Szenarien sind denkbar?

2025-03-19

Autor: Laura

Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) sieht seit fünf Jahren eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Laborunfall im chinesischen Wuhan zur globalen Coronapandemie geführt hat. Diese Behauptung, wie sie von der «Süddeutschen Zeitung» und der «Zeit» vergangene Woche publik gemacht wurde, befeuert erneut die Diskussion um den Ursprung von Sars-CoV-2.

Die Expertin Katharina Summermatter leitet das Zentrum für Biosicherheit am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern und ist Mitglied der Scientific Advisory Group for the Origins of Novel Pathogens (Sago) der WHO. Sie äußert sich zu den neuen Informationen.

„Leider haben wir keinen Zugang zu den genauen Inhalten des BND-Berichts, daher können wir keine verlässliche Bewertung vornehmen. Es handelt sich um einen weiteren Geheimdienstbericht, wie wir sie auch in den USA schon hatten.“

Auf die Frage nach der Plausibilität der Labortheorie, betont Summermatter, dass das Fachgremium Sago umfangreiche Daten aus veröffentlichten Studien und Regierungsberichten geprüft hat. Diese Daten liefern starke Hinweise auf einen natürlichen Ursprung des Virus. Dennoch kann die Möglichkeit eines Laborunfalls nicht vollständig ausgeschlossen werden. „Wir haben noch keinen Zugang zu Informationen, die das endgültig klären würden“, fügt sie hinzu.

Besonders auffällig sei Chinas mangelnde Offenheit darüber, welche Sicherheitsstandards in Wuhan wirklich eingehalten werden. Summermatter fordert eine unabhängige Inspektion des Biosicherheitslabors – ein Schritt, auf den China bislang nicht reagiert hat. „Die dortige Informationskultur ist weniger transparent als im Westen“, erklärt sie.

Der BND hat Hinweise darauf, dass in Wuhan Sicherheitsvorgaben nicht eingehalten wurden. „Obwohl die Vorschriften in China ähnlich streng wie in der Schweiz sind, bleibt die Frage, wie konsequent sie umgesetzt werden“, regt sie an. Berichte über festgestellte Mängel bei Inspektionen gibt es, genaue Details sind jedoch unbekannt.

Angenommen, ein Laborunfall wäre tatsächlich die Ursache der Pandemie, welche Szenarien wären denkbar? „Der häufigste Grund für Erregerausbrüche aus einem Labor sind unbeabsichtigte Infektionen von Mitarbeitern. Dies könnte durch Aerosole geschehen, wenn Sicherheitsvorkehrungen missachtet werden“, erläutert sie. Wenn diese Person dann Symptome entwickelt, kann sich das Virus zu Hause weiterhin verbreiten.

Ein weiteres Szenario wären technische Defekte, durch die Krankheitserreger aus einem Labor entweichen. Auch Abfallmanagementprobleme könnten dazu führen, dass kontaminiertes Material nicht ausreichend inaktiviert wird.

Die Diskussion um mögliche Laborunfälle hat bereits Auswirkungen auf die Sicherheitsstandards. Die WHO hat neue Leitlinien zur Biosicherheit veröffentlicht, die weltweit großen Anklang finden. Sicherheitsstandards, die bislang nur auf Biosicherheitsstufe zwei für Coronaviren angewendet wurden, stehen im Fokus erhöhter Überprüfungen.

Wichtig zu beachten ist, dass in Europa und vielen anderen Ländern weiterhin an Gain-of-Function-Experimenten geforscht wird, um beispielsweise gefährliche Eigenschaften von Viren besser zu verstehen. „Diese Forschungen werden streng reguliert“, sagt Summermatter, „und es wird stets eine Risikobewertung durchgeführt, bevor Experimente genehmigt werden.”

Dennoch bleibt ein gewisses Risiko bestehen. Der Ursprung der Pandemie muss weiterhin breit untersucht werden, während die Forschung voranschreitet, um sicherzustellen, dass wir auf zukünftige Ausbrüche vorbereitet sind. Eines ist sicher: Die Diskussion um den Ursprung von Sars-CoV-2 wird uns noch lange begleiten.