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Warum trotz wachsender Zahl von Wohnbaugenossenschaften die Wartelisten länger werden

2025-03-24

Autor: Lukas

In der Schweiz gibt es eine steigende Zahl von Wohnbaugenossenschaften, die das Versprechen geben, nur so viel Miete zu verlangen, wie die Wohnung tatsächlich kostet. Dies wird als Kostenmiete bezeichnet, wo den Bewohnerinnen und Bewohnern die tatsächlichen Aufwendungen für Bau, Finanzierung und Betrieb in Rechnung gestellt werden. Daher zahlen sie im Schnitt weniger Miete als auf dem freien Markt.

Aktuell gehören etwa 185.000 Wohnungen in der Schweiz zu Wohnbaugenossenschaften, wodurch die Bewohner selbst Teilhaber sind. Rebecca Omoregie, Vizedirektorin des Verbands der gemeinnützigen Wohnbauträger, betont, dass die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten und mitzubestimmen, ebenso wichtig ist wie die vergleichsweise niedrigeren Mieten.

Trotz des wachsenden Interesses an diesem Modell lebt nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung in einer Genossenschaft. Gerade einmal vier Prozent aller Wohnungen in der Schweiz sind im Besitz von gemeinnützigen Wohnbauträgern. Die Nachfrage übersteigt dabei bei Weitem das Angebot, was durch die langen Wartelisten, die viele Genossenschaften führen, verdeutlicht wird.

Insbesondere in städtischen Gebieten ist der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum enorm. Omoregie erklärt: "Genossenschaften entstanden historisch dort, wo die Wohnungsnot am größten war." Um den genossenschaftlichen Wohnraum zu fördern, ist auch der politische Wille in diesen Städten entscheidend. So hat beispielsweise die Stadt Zürich angekündigt, bis 2050 einen Anteil von einem Drittel an gemeinnützigen Wohnungen zu erreichen.

In Zürich sind bereits 27 Prozent der Wohnungen gemeinnützig (Stand 2023), während in den Agglomerationen wie Biel, Luzern, Basel und Bern der Anteil über 8 Prozent liegt (Bundesdaten, Stand 2022). In ländlichen Regionen hingegen sind gemeinnützige Wohnungen kaum verbreitet, da dort der Wohnraum nicht so begrenzt ist.

Die hohen Bodenpreise in den Städten sind jedoch eine maßgebliche Hürde. Omoregie stellt fest: "Vielen Genossenschaften gelingt es nicht, mit den steigenden Preisen für Bauland Schritt zu halten." Besonders kleine und neu gegründete Genossenschaften, die über wenig Eigenkapital verfügen, benötigen finanzielle Unterstützung, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Um dem entgegenzuwirken, bietet der Staat verschiedene Förderinstrumente an, darunter den Fonds de Roulement, der seit 1921 besteht. Wohnbaugenossenschaften können hier günstige Darlehen beantragen. Zudem unterstützt der Bund Finanzierungen für gemeinnützige Wohnbauträger, damit diese zu besseren Konditionen bauen können. Omoregie hebt hervor, dass diese Instrumente durchaus effektiv sind.

Ein Schlüssel zur Lösung des Problems könnte darin liegen, den Zugang zu Bauland zu erleichtern, insbesondere durch subventioniertes städtisches Land, das Genossenschaften im Baurecht angeboten wird. Diese günstigeren Landvergaben erfordern jedoch ein Umdenken in der öffentlichen Hand, da ein Verkauf an private Bauträger in der Regel profitabler wäre.

Die Herausforderung bleibt, dass die Bereitstellung von günstigem Wohnraum für viele Menschen finanziell tragbar sein muss. Wenn diese Hürden überwunden werden können, könnte der Traum von mehr genossenschaftlichem Wohnraum für die breite Bevölkerung Realität werden.