
Datenanalyse: Die wahre Geschwindigkeit von Racing Bulls im Vergleich zu Red Bull
2025-03-25
Autor: Emma
(Motorsport-Total.com) - Red Bull steckt aktuell in einer ernsthaften Krise. Auch wenn Max Verstappen im Fahrerranking nach dem zweiten Saisonrennen in China respektabel auf dem zweiten Platz liegt, scheint das RB21 lediglich das drittschnellste oder gar viertschnellste Auto im Feld der Formel 1 zu sein. In dieser Woche steht in Milton Keynes eine Krisensitzung an, um Strategien zu entwickeln, wie der Bolide wieder auf das Niveau der Weltmeisterschaft gebracht werden kann.
Eine Analyse der bisherigen Qualifying-Runden der Saison 2025 offenbart eine interessante Tatsache: Das Schwesterteam Racing Bulls hat im Schnitt nur 0,23 Sekunden langsamer als Verstappen abgeschnitten. Währenddessen tut sich Teamkollege Liam Lawson schwer, die gleiche Pace zu finden. Könnte es sein, dass Verstappen gerade im langsameren der beiden Red-Bull-Fahrzeuge sitzt?
Verstappen selbst weicht dieser These nicht aus und sagt nach dem Qualifying in China: "Als Liam noch bei Racing Bulls war, war er ziemlich auf Augenhöhe mit Yuki [Tsunoda]. Da war nicht viel Unterschied zwischen den beiden. Ansonsten hätte das Team ja auch nicht entschieden, Liam ins Auto zu setzen. Jetzt ist der Abstand jedoch sehr groß, und die Racing Bulls sind sehr nah an mir dran. Das sagt schon einiges aus."
Wie sieht es mit den Daten aus?
Wenn man die Zeiten von Lawson und Tsunoda bei Racing Bulls betrachtet, war Tsunoda im Qualifying durchschnittlich 0,24 Sekunden schneller. Seine Rennpace war ungefähr 0,11 Sekunden pro Runde schneller. Wenn wir jetzt die Q1-Zeiten von Verstappen und Lawson in den ersten beiden Rennen der Saison 2025 vergleichen, sehen wir, dass der Neuseeländer im Durchschnitt etwa neun Zehntel slower war. Hochgerechnet könnte Tsunoda in einem Direktduell gegen Verstappen rund 0,65 Sekunden verlieren. Anders ausgedrückt: Verstappen könnte potenziell in einem Racing Bulls etwa vier Zehntel pro Runde schneller sein als in seinem Red Bull – zumindest im Qualifying. Hätte sich diese Annahme bestätigt, hätte Verstappen in Australien und China möglicherweise die Pole-Position erreicht.
Doch wie realistisch ist diese Behauptung?
Diese Überlegung bleibt jedoch theoretisch und würde in der Praxis schwer umsetzbar sein. Der Red Bull gilt als schwierig zu fahren, was die großen Abstände zu Verstappen evoziert. In der Vergangenheit waren Pierre Gasly, Alexander Albon und Sergio Perez jeweils etwa sechs Zehntel langsamer. Der Druck auf das Team und die Fahrer wächst, die Leistung des Autos zu verbessern.
Eine wichtige Frage bleibt: Könnte Verstappen im Racing Bulls, den Lawson als leichter fahrbar beschreibt, tatsächlich die gleichen großen Vorsprünge auf seine Teamkollegen finden? Darüber hinaus spielt die Renngeschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Der Racing Bulls scheint in der Saison 2025 eine wahre Qualifying-Maschine zu sein. In den bisherigen drei Rennen (Australien, Sprintrennen in China und Shanghai-Hauptrennen) schien es, als würden die Racing Bulls zwar vor den Mittelklasse-Teams im Qualifying liegen, aber im Rennen ist der Rückstand über 1,7 Sekunden pro Runde.
Verstappens theoretischer Vorteil von 0,65 Sekunden würde ihm im Rennen nicht helfen, um mit den Racing Bulls in der Spitzengruppe mitzuhalten. Zum Vergleich: Sein Red Bull ist im Renntrimm im Schnitt lediglich 0,48 Sekunden pro Runde langsamer als der McLaren. Diese Diskrepanz zeigt, dass eine Verbesserung im Qualifying zwar vielversprechend ist, jedoch im Rennen nicht ausreichend ist.
Tsunoda als mögliche Lösung?
Nach nur zwei Rennen scheint die Situation im Red-Bull-Team bereits angespannt. Liam Lawson könnte möglicherweise durch Yuki Tsunoda ersetzt werden. Aber würde dieser Wechsel Red Bull tatsächlich einen Vorteil bringen? Wie bereits erwähnt, betrug der Qualifying-Abstand zwischen Tsunoda und Lawson etwa 0,25 Sekunden. Ein Hochrechnen dieser Werte bedeutet, dass auch Tsunoda im Red Bull in beiden Rennen in Q1 hätte scheitern können und genauso wenig Punkte gesammelt hätte wie Lawson.
Die Frage bleibt, ob Tsunoda besser mit dem anspruchsvollen Red Bull zurechtkommt als seine Vorgänger. Obwohl Sergio Perez zurzeit in der Kritik steht, konnte auch er in den letzten Rennen nicht überzeugen und lag im Schnitt 0,56 Sekunden hinter Verstappen. Ein möglicher Umstieg auf Tsunoda könnte die Performance des Teams verbessern, jedoch ist dies ein Risiko, das Red Bull eventuell bereit ist einzugehen.
Um die Herausforderungen der aktuellen Saison zu bewältigen, könnte die bestmögliche Lösung sein, Verstappen alleine im Red Bull fahren zu lassen, während Lawson einen dritten Racing Bulls steuert – eine Idee, die in der Praxis allerdings ausgeschlossen bleibt. Der Druck auf das Team, das nötige Potenzial auszuschöpfen, bleibt weiterhin hoch.