Welt

Proteste in Belgrad, Ankara und Tiflis: Die Jugend erhebt sich gegen Autoritarismus

2025-03-29

Autor: Laura

In den letzten Wochen haben Zehntausende von Menschen in Belgrad, Ankara und Tiflis gegen ihre Regierungen protestiert. Diese Proteste sind vor allem von Studenten und der Generation Z getragen und zielen darauf ab, autoritären Tendenzen entgegenzutreten und für die Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen.

Ein zentraler Punkt, der die Protestierenden eint, ist der Unmut über Vetternwirtschaft, Klüngeleien und Korruption. Ein serbischer Kommentator bringt es auf den Punkt: «Was für die ältere Generation als normal erscheint, ist für die Jugend unhaltbar.» In dieser Hinsicht scheinen die aktuellen Proteste eine breitere gesellschaftliche Bewegung zu repräsentieren, die über die individuellen Anliegen der Studierenden hinausgeht. Professor Dieter Rucht, ein Experte für Protestforschung, hebt hervor, dass solche Studentenproteste ein wichtiges Korrektiv in einer demokratischen Gesellschaft darstellen. Sie zielen darauf ab, notwendige Reformen anzustoßen und eine positive gesellschaftliche Vision zu propagieren.

Gerade in Serbien zeigt sich eine bemerkenswerte Solidarität zwischen der jüngeren Bevölkerung und der breiten Masse. Die Demonstrierenden in Georgien, angeführt von Aktivisten wie Konstantine Chakhunashvili, nutzen soziale Medien, um ihre Anliegen zu verbreiten und ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen. Chakhunashvili merkt an, dass die Generation Z in einem anderen Georgien aufgewachsen ist, das sich grundlegend von dem ihrer Eltern unterscheidet – einem Land, das sich seit der Revolution von 2003 verstärkt der EU und NATO verpflichtet hat.

Die junge Generation glaubt fest daran, dass Demokratie und bürgerliche Freiheiten die Grundlage einer stabilen und prosperierenden Gesellschaft sind. Der Chefredakteur des Portals „Expert“ beschreibt die Protestierenden in Serbien als eine Gruppe, die gegen das System selbst und nicht gegen eine einzelne Person, wie den Präsidenten Aleksandar Vučić, rebelliert. Sie stehen für einen grundlegenden Wandel in den sozialen Beziehungen ein.

In der Türkei, wo die Proteste seit über einer Woche andauern und viele der Festgenommenen zwischen 20 und 25 Jahre alt sind, zeigt sich eine ähnliche Enttäuschung. Diese jungen Menschen haben nur das autoritäre Regime unter Recep Tayyip Erdoğan gekannt, das ihnen wenig Perspektiven bietet – von schlechten Arbeitsbedingungen über Inflation bis zu einer aus ihrer Sicht rückschrittlichen Kulturpolitik.

Im Jahr 2013, als die Proteste gegen Erdogans Politik anfingen, war es eine Bewegung der Hoffnung. Heute hingegen wird die Verzweiflung über die stetig abnehmenden Freiheiten und die unsichere wirtschaftliche Zukunft deutlich.

Aktuelle Proteste in Serbien, Georgien und der Türkei entstehen also nicht im Vakuum. Ihre Dynamik und gegenseitige Inspiration durch die sozialen Medien fördern ein Gefühl der Einheit und der gemeinsamen Anstrengung für Freiheit und Gerechtigkeit. Die Augen der Welt sind nun auf diese Bewegung gerichtet, die die Hoffnung auf eine demokratische Erneuerung in diesen Ländern symbolisiert.