
Emmanuel Macron in Frankreich: Plötzlich wünschen sich 86 Prozent der Franzosen eine Rückkehr zur Wehrpflicht
2025-03-19
Autor: Emma
Selten hat eine Rede von Emmanuel Macron solch eine heftige Reaktion ausgelöst wie seine jüngste Ansprache, die er vor zwei Wochen in der Primetime um 20 Uhr auf France 2 hielt. In einem klassischen schwarzen Anzug appellierte er an die französische Bevölkerung, die Gefahr, die von Russland ausgeht, ernst zu nehmen und sich für das Vaterland zu engagieren. Er betonte: „Das Vaterland braucht euch und euer Engagement.“
In einer aktuellen Umfrage von Ipsos gaben 86 Prozent der Franzosen an, sich eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht zu wünschen. Fast dreißig Jahre nach ihrer Abschaffung scheint der Ruf danach lauter denn je zu sein. Beunruhigt über die Resonanz versuchte Macron jedoch schnell, die Wogen zu glätten, indem er klarstellte, dass die Wehrpflicht keine „realistische Option“ sei. Es fehle an der notwendigen Infrastruktur, Logistik und vor allem am Geld, um eine Armee mit einer Million Soldaten neu aufzubauen – derzeit zählt die französische Berufsarmee nur etwa 200.000 Soldaten.
Die Wehrpflicht wurde 1996 unter Jacques Chirac abgeschafft, und Macron ist der erste französische Präsident, der keinen Militärdienst geleistet hat. Er erklärte, dass die Modernisierung der Armee bereits zu weit fortgeschritten sei, um einen Rückschritt zu machen. Stattdessen plant er, die Nationaldienst-Initiative, bekannt als Service National Universel (SNU), neu zu gestalten – eines seiner Lieblingsthemen.
Ursprünglich wurde die Idee des SNU entwickelt, um jungen Menschen einen Raum zu bieten, in dem sie über soziale Klassen hinweg interagieren können, jedoch stieß sie auf zahlreiche Herausforderungen und wurde von einem ursprünglich obligatorischen Dienst in einen freiwilligen umgewandelt. Angesichts der geopolitsichen Spannungen könnte sich dies jedoch schnell ändern.
Die politischen Gräben verschieben sich: Während früher hauptsächlich die bürgerliche und die extreme Rechte für die Wehrpflicht plädierten, scheinen auch Teile der Linken nun offen für eine Debatte darüber zu sein. Diese Entwicklung ist auf den zunehmenden geopolitischen Druck und die Wahrnehmung von Bedrohungen durch Länder wie Russland zurückzuführen.
Ein früherer Entwurf des SNU sollte für 15- bis 17-Jährige verpflichtend sein und in militärischen oder zivilen Einrichtungen fernab des Heimatorts stattfinden. Angesichts des aktuellen Ateliers des Präsidenten könnte es sein, dass die Ambitionen des SNU trotz anfänglicher Rückschläge nun neu definiert und vielleicht sogar obligatorisch eingeführt werden. Plötzlich scheinen die Franzosen bereit zu sein, Pflichten zu übernehmen, die sie zuvor vehement abgelehnt hatten.
Die kommenden Wochen könnten entscheidend dafür sein, wie sich das Verhältnis der Franzosen zu Militärdienst und nationaler Verteidigung weiterentwickeln wird. Ein weiterer spannender Punkt ist, wie Macron plant, ein Gleichgewicht zwischen dem alten System der Wehrpflicht und den neuen Anforderungen an eine professionelle Armee zu finden.